Soulfire Camp 2012

In diesem ominösen Jahr 2012 feierte unser Soulfire Camp zugleich sein 5. Jubiläum. Spiegelten sich die Beobachtungen der Zeitqualität auch im diesjährigen Camp wieder? Wichtig war auf jeden Fall, dass wieder Entspannung, Austausch und Naturerlebnisse im Vordergrund standen.

So nahmen die Dinge ihren Lauf…

Das Wetter war uns wohlgesonnen. Warm, aber immer mit einer erfrischenden Brise, und auch nicht zu wechselhaft. Selbst der spätabendliche Gewitter-Wolkenbruch am dritten Tage wirkte da irgendwie passend. Aber dazu später mehr…

Warm und sonnig, aber dank Brise sehr erträglich

Als wir, nach einer ersten Feuertaufe (der Hund einer Besucherin wurde leider angefahren – von hier aus gute Besserung! – Update: Der Hund ist wieder wohlauf und war auch beim Soulfire Camp 2013 ;)), an der Brandengrabenmühle ankamen, fiel uns zuerst eine große Veränderung auf: Weite Teile der bewaldeten Hügel auf der westlichen Seite waren abgeholzt. Dadurch wurde einem erstmal klar, wie groß, ausgedehnt und steil die Talhänge dort eigentlich sind. Neben dem ungewohnten Ersteindruck von „Verwüstung“, kam aber zugleich die positive Betrachtungsmöglichkeit auf, diese kahlen Hänge zu beteigen, um den Umstand für eine grandiose Aussicht auf das Tal zu nutzen.

Kahl ist das Tal (zum Glück nur teilweise)

Vor der (Wieder)Erkundung der Umgebung stand aber erstmal die Begrüßung der bereits zahlreich angereisten Besucher an. Zugleich wurde auch schon das obgligatorische Feuer entzündet (durchaus auch symbolisch zu verstehen :)). Das Tageslicht schied langsam mit einem sanften Abendrot dahin, welches die dünnen Wolkenfetzen über uns boten. Eine schöne Untermalung für die kommenden Tage.

Soulfire – Skyfire?

Als die Sonne sich gänzlich abgewandt hatte, gesellte sich fast unmittelbar ein (Fast-)Vollmond dazu, welcher für eine natürliche Minimalbeleuchtung sorgte, und unsere aufgestellten Kerzen entlang des Mühlengeländes ergänzte. Die Funken des Lagerfeuers, sowie die Gespräche der Besucher, mischten sich mit der vom Mondlicht erhellten Himmelsecke, was für eine mystische Stimmung an diesem ersten Abend sorgte.

Mystische Stimmung im Feuer- und Mondlicht

Am nächsten Morgen packte uns die Erkundungsneugier bezüglich der kahlen Hügel. Wir hatten keinen weiten Weg, mußten aber eine tiefere Stelle des Baches neben der Brandengrabenmühle überwinden. Dazu erwählten wir kurzerhand einen Baumstamm, welcher sich über den Bach erstreckte. Durchaus eine kleine Herausforderung für den im Alltag so sträflich unterforderten Gleichgewichtssinn. Doch der Weg über den Baumstamm wurde gemeistert, ohne mit der Schwerkraft und dem Wasser in nähere Bekanntschaft zu treten.

Schwächt bei ungeschickter Anwendung den Stammbaum

Dann begann der steile und schräge Aufstieg über spitzes Geäst, Baumstumpfe und Fragmente von Schieferplatten. Vor uns lag eine imposante, lange Schneise, die bis zur Spitze des Tals führte. Wir beschlossen, darauf zuzusteuern, und uns kamen spontan Analogien zu Ski-Schanzen in den Sinn (wobei das hier sicherlich einige, schwindelerregende Größenordnungen mehr hatte).

Himmelsleiter…

Zwischen der Schneise klaffte jedoch überraschenderweise eine große Schlucht, die von unten aus nicht zu sehen war. Ein gutes Beispiel, dass vieles eine Frage der Perspektive ist (nicht nur geografisch ;)).

…oder Ski-Schanze des Wahnsinns?

Wir wurden bezüglich der Aussicht auch nicht enttäuscht: Der weite Blick, der sehr klein gewordene Bach und die Teile der Mühle, welche durch die Bäume zu sehen waren, zeigten uns, dass wir sehr hoch und sehr steil geklettert waren.

Eine erhöhte Sicht der Dinge

Der Blick in die Gegenrichtung hatte es auch in sich, und führte uns gut vor Augen, wie steil oder gar überhängend einige der bewaldeten Schieferfelsstrukturen im Ehrenburgertal sind.

Epochale Aussichten epischer Epik

Nach dieser Kletteraktion fuhren wir in ein benachbartes Dorf (eher das Übernächste), um Besorgungen für das Camp zu machen. Darunter erfrischende Getränke, fleischiges und vegetarisches Grillgut und keksartige Knabbereien. Inzwischen waren noch mehr Leute eingetroffen, die sich in interessanten Gesprächsrunden zusammenfanden. Sowohl um das permanent brennende Lagerfeuer, als auch in der Bar, deren gemütlichen Vorraum und dem hinteren Platz beim berühmten Baumgesicht.

Verschwörungstheoretiker-Easter Egg inside!

Irgendwann wurde ein Vortrag für den späten Nachmittag angekündigt, aber keiner wußte sorecht, von wem er kommen sollte und zu welchem Thema es sich handeln wird. Da sich noch nichts tat, beschlossen wir auf einem neuen Pfad wandern zu gehen, der zu einer guten Aussichtsstelle führen sollte.

Wandernde Schatten auf Wanderschaft

Wir hatten uns schon vor dem Camp vorgenommen, den Sonnenuntergang zu fotografieren, was taltechnisch bedingt aber nur von oberhalb gehen würde. Der sehr lange Pfad führte bis an die Spitze des Tals, und darüber hinaus auf das „flache“ Land. Der unerwartete bzw. abrupte Landschaftswechsel hatte schon was für sich. Wir erkundeten ein bisschen die dortige Gegend, welche hauptsächlich aus Bauernhöfen und Landstraßen bestand. Die fast absolute Stille und der nicht vorhandene Verkehr waren ein ungewohntes Ambiente. Man hätte quasi minutenlang auf der Mitte der Landstraße wandern können, ohne irgendein Fahrzeug in der Ferne zu sehen. Nur ein Spaziergänger mit Hund (oder ein Hund mit Spaziergänger?) kreuzte unseren Weg.

Land in Sicht!

Nach ein paar Minuten zogen dichtere Wolken am Horizont auf, welche sich in weiter Ferne schon als Regen zu entladen schienen. Es sah so aus, als würden sie unseren Sonnenuntergang vereiteln. Die Wolken blieben aber letztlich doch auf Abstand, und gaben später im richtigen Moment den Blick frei.

Ferner Erguss der Naturgewalten

Auf dem Rückweg bewegten wir uns entlang der Schieferhänge, und fanden schließlich einen vielversprechenden Aussichtspunkt. Dort ließen wir uns auf den durchaus bequemen Schieferfelsen nieder, und genossen die nun doch freiliegende, untergehende Abendsonne. Nebenbei wurden natürlich Fotos gemacht, aber auch GPS-Koordinaten genommen, um die Stelle eines Tages eventuell wiederzufinden.

Ein zu erkletternder Sonnenuntergang

Die Akustik dort oben zwischen den Talwänden bot sogar einen interessanten Hall-Effekt, und irgendeine weit entfernte Kuh steuerte ihre lautstarken Laute bei. Unsere akustischen Reaktionen darauf schienen sogar teilweise erwidert zu werden. Offenbar dachte sich auch der Pilot einer kleinen Maschine, dass eine sehenswerte Abendstimmung herrschte, und flog sogleich durch den Sonnenuntergang (relativistisch gesehen, versteht sich ;)).

Flieger, grüß‘ mir die Sonne!

Kurz danach beschlossen wir, unseren Abstieg einzuleiten, da das abendliche Licht im tiefen Wald schnell schwindet. Wir wählten dieses Mal wieder den unkonventionellen Weg (wie schon 2011), und kletterten die steilen Schieferhänge herunter, bis sie wieder zu normalen Waldboden wurden.

Es gibt nicht nur schroffe Aufstiege im Leben

Von da aus gelangten wir noch mit etwas Mühe über einen tiefen, verwinkelten Bachgraben. Zuerst wollten wir dem Bachlauf nach unten folgen, jedoch gab es kein Ufer, sondern nur klaffende Hänge und Vertiefungen. Auf der anderen Seite kamen wir aber wieder auf den Wanderweg, welcher uns letztlich zurück zur Mühle führte.

Die Schneise der Strapazen

Sehr weit vor uns bemerkten wir eine der schwarzen Mühlenkatzen, welche aber schnell außer Sichtweite lief. Mir „gelang“ aber noch ein unscharfes Foto auf Maximalzoom, welches sich sicherlich gut in weniger differenzierten, kryptozoologischen Artikeln machen würde („Die Bestie vom Ehrenburgertal“, oder so ähnlich :D…).

Krypto-Cat oder Hypno-Cat?

Als wir an der Mühle ankamen, war der angekündigte Vortrag gerade zuende, und wir begannen, die abendliche Kerzenbeleuchtung aufzustellen. Die Stimmungsvollen Teelichter und das Lagerfeuer leuchteten abermals den Weg durch den dunkler werdenden Waldabend.

Pfad der Erleuchtung

Der nächste Tag wurde gleich mit angeregtem und interessanten Informationsaustausch begonnen, welcher garkein Ende nahm. Da wünscht man sich manchmal, mehrere Wochen Zeit zu haben, oder eine schnellere Kommunikationsform zu beherrschen. Am frühen Nachmittag konnten wir uns dann doch aufraffen, und begaben uns auf die (inzwischen) traditionelle Wanderung zur Ehrbachklamm (manchmal abfällig „Pandora für Arme“ genannt). Es waren auch Neulinge dabei, die diesen spektakulären Ort noch nicht kannten, und für die ich mit Freude Touristenführer spielte.

Pandora für Arme? Nein, nur etwas kleiner…

Bei der Gelegenheit erkundeten wir auch gleich eine mysteriöse Höhle, welche sich atemberaubend tief in den Felsen hineinschlängelte (ca. 50cm) und seltsame Artefakte barg. Von diesem Ausflug noch ganz perplex, legten wir Rast beim großen Wasserfall ein, und diskutierten dabei über Theorien der frühen Erdgeografie (Superkontinent Pangea etc…). Auch das kontroverse „Hohle Erde“-Thema entfaltete sich, was ja nach der verwinkelten Höhlentour nicht hätte passender kommen können.

Reise zum Mittelpunkt der Ehrbachklamm

Nun war es Zeit für eine Stärkung. Statt den steilen Pfad zur Rauscheburg-Ruine zu nehmen, beschlossen wir dieses Mal zu erkunden, was sich jenseits der Klamm befindet. Nach einer Weile trafen wir auf eine Mühle die zu unserem Erstaunen sogar ein Mühlrad hatte.

Ein fleißig‘ Mühlrad friert nicht ein

Dort gönnten wir uns ein erfrischendes Eis, schauten uns Tafeln mit Höhendiagrammen an, und führten unsere interessanten Diskussionen fort. Ein kleiner, facettenaugiger Gast kümmerte sich zwischenzeitlich um die Abschmelzprodukte des Eises.

Schlürfi die Mühlenfliege, frönt ihrer Berufung

Da es zeitlich schon in Richtung Sonntag Abend ging, reisten einige Gäste bei unserer Rückkehr ab.  Der Rest machte es sich wieder am Feuer gemütlich. Dabei bot der Himmel ein Schauspiel aus dichten Wolken und Lichtstrahlen, welche durch die untergehende Sonne dahinter hervorkamen.

Strahlend blauer Himmel

Als Verköstigung bereiteten wir uns Würstchen und Grillkäse zu. Kurz nachdem wir uns verköstigt hatten, zog sich der Himmel zu, und ein gewaltiger Wolkenbruch mit Gewitter fand statt. Das Timing hätte nicht besser sein können. Die meisten Leute begaben sich, mangels Regenschutz, nach innen. Aber wir blieben noch eine Weile unter dem großen Schirm am Feuerplatz, und genossen das Spektakel. Es fand ein epischer Kampf zwischen Wolkenbruch-Schauer und dem Feuer statt. Am Ende waren die Flammen quasi erloschen, aber die Glut glühte unter den verbliebenen Holzstücken noch weiter.

Der Rauch qualmt immer noch!

Wir begaben uns noch für eine Weile in die Bar der Mühle, und tranken dort was. Dann ging es ins Bett, denn am nächsten Tag stand die Abreise bevor. Die gute Luft erzeugt einen tiefen Schlaf, und durch die Umgewöhnung möchte man manchmal kaum aufstehen. Der kommende Tag bot klares, leicht abgekühltes Wetter, was die Fluten aus der Nacht fast schon wieder gänzlich hinweggetrocknet hatte.

Solar-Trockner 2012™ in Action

Etwas später als geplant, konnten wir uns dann doch von den fesselnden Gesprächen losreißen, und als letze Gruppe vom Soulfire Camp 2012 abreisen. Wir alle wären gerne noch viel länger geblieben, doch die Zeit ist bekanntlich das Feuer, in dem wir verbrennen. Aber gerade aus diesem Grund werde ich mir nächstes Jahr wohl mehrere Extra-Tage gönnen. Denn jedes Jahr gibt es nur einmal. 😉

Das Ende vom Anfang

Fazit: Es war für mich persönlich erstaunlich zu sehen, wie sich die empfundene Zeitqualität über das Jahr hinweg in vielen Besuchern bestätigte, die ich seit 2011 (oder gar länger) nicht mehr gesehen hatte. Was immer an 2012 dran sein mag, es scheint uns richtig durchzuspülen, und verhilft zu Transformationsprozessen von Aspekten, die bisher in den unbeachteten Tiefen des Unbewußten schlummerten. Das kann sehr anstrengend sein, aber es lohnt sich ausnahmslos. Auch wenn man einigen Besuchern die Strapazen ansah, so schloss sich am Ende wieder der Soulfire-Kreis. Für mich persönlich war es das bisher innerlich ausgeglichendste Camp, und ich konnte dabei auch meine bescheidenen Erfahrungen zu so manchem Transformationsaspekt beisteuern.

Ich wünsche uns allen eine fortwährende Bewusstseinsentwicklung voller Neugier, Verwunderung und Freude, und freue ich auf ein Wiedersehen im Sommer 2013! 😀

Soulfire Camp 2011
Soulfire Camp 2010
Soulfire Camp 2009

stevenblack – Soulfire Camp 2012
Soulfire Camp – Website

Autor: Wingman

3 Kommentare

  1. Steven Black sagt:

    Hallo, Freund Wingman!

    Danke für die Einladung zum lesen .. 😉
    Bin ziemlich beeindruckt, nicht nur über die wunderschönen Landschaftsimpressionen, die du einfangen konntest, auch,
    weil ich da grade mit meine Faulheit konfrontiert wurde .. 😳
    Ich glaube, ich hab mich erfolgreich, all die Jahre davor drücken können
    in der Gegend rumzuspazieren ..
    Nein, halt- alles Lüge, 2008 bin ich mal mit jemand mitgegangen ..
    Aber das wars dann auch ..

    Wirklich ein toller Bericht, gut gelungen, und ich würde mich nicht grämen, über den versäumten Vortrag. Meiner Meinung nach, eh nur ein untauglicher Versuch, Leute für ein neues, geistiges Gefängnis zu finden ..
    Aber jeder, wie er glaubt.

    freundliche Grüße, Steven Black

  2. Thetawaves sagt:

    Danke! 😉

    Ja, es lohnt sich wirklich, die Gegend da ausgiebig zu erkunden. 2008 war ich nur ein kleines Stück gewandert (etwa den halben Weg zur Klamm), und wie ich später sah, habe ich es bereut… 😀

    Ich glaube, ich werde noch fünf Jahre brauchen, um da alle interessanten Natur-Attraktionen in der Nähe zu sehen.

    MfG
    Wingman

  3. eremitaño loco sagt:

    hallo stefan,
    habe gerade einmal in die ersten bilder geschaut. die auflösung der orps ist sehr gut. habe ca.7 gb zum auswerten. die daten stehen dann bei jürgen zur verfügung. ich melde mich wenn es soweit ist.
    ganz liebe grüsse auch an chem, sven und jens
    bis plötzlich uwe

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