Artikel-Schlagworte: „Differenzierungsvermögen“

Neutralität

Sonntag, 24. Juni 2012

Sehr oft erlebt man in der Grenzwissen-Szene (und auch generell) verbissene Diskussionen um den eigenen Standpunkt, bzw. um Glaubenssätze. Denn selten basieren die Diskussionspunkte auf eigenen Erfahrungen, sondern stellen nur “Meinungen” dar, die nicht durch einen Erkenntnisprozess entstanden sind. Man erlebt dabei zwei Schubladen: “Glauben” und “Nicht-Glauben”. Wird beispielsweise ein neuer Erfahrungsbericht gepostet, oder eine vermeindlich paranormale Aufnahme, so liest man schnell undifferenzierte “Glaub ich!” oder “Fake!”-Äußerungen. Jedoch hat man selten wirkliche Nachforschungen dahinter, sondern es wird sich der Wertung mit der größten, persönlichen Bequemlichkeit angeschlossen. Doch was bringt dieser reine Meinungsaustausch? Wo bringt es die Beteiligten weiter, außer das es vielleicht eine zweifelhafte Unterhaltsamkeit bietet, da man “auch mal was sagen darf”, bzw. sich mit Bedeutsamkeit aufladen kann?

Zum einen könnte man das behandelte Thema unvoreingenommen im Rahmen der Möglichkeiten erforschen (ein Aufwand, der aber meist gescheut wird). Wenn dieses Thema jedoch (noch nicht) verifiziert / falsifiziert werden kann, bringt es keinen Fortschritt, sich um persönliche Glaubenssätze diesbezüglich zu streiten. Soll man es dann grundsätzlich fallenlassen und ignorieren? Ich denke nicht, denn wenn man nicht hinter den aktuellen Horizont blickt, hat man auch kein Substrat mehr, um neue Möglichkeiten und Schlussfolgerungen in Betracht zu ziehen (man beachte Einsteins Zitat “Fantasie ist wichtiger als Wissen”!). Es können dann keine Hypothesen bzw. Theorien mehr entstehen, die mögliche Erkenntniskanäle und Forschungsmethoden überhaupt erst ermöglichen. Doch wie gestaltet sich so ein neuer Erkenntnisprozess, wenn er zugleich wieder von dem Beharren auf eigenen Meinungen bzw. Glaubenssätzen blockiert wird?

An dem Punkt kommt das Prinzip der Neutralität ins Spiel. Diese setzt die Erkenntnis vorraus, das es noch mehr Betrachtungsmöglichkeiten gibt, als “Wissen”, “Glauben” oder “Nicht-Glauben”. Die Neutralität versteht sich hier als wertungsfreie Position des “Kann ich nicht wissen”, bzw. des “Kann sein, kann aber auch nicht sein”. Und doch ist es damit möglich, über ein Thema zu diskutieren bzw. Hypothesenarbeit leisten, ohne in den einen oder anderen Meinungspol zu rutschen, um dort unnötigerweise festzustecken. Es ist der dritte Pol zwischen Gewißheiten und Glaubenssätzen (“Glaub ich nicht” bzw. eine unfundierte Skeptiker-Meinung ist auch ein Glaubenssatz!). Von dieser neutralen “Superposition” aus ist ein unbefangeneres, sinnvolleres und lösungsorientierteres Arbeiten an einer Thematik möglich.

Neutralität

Das Prinzip der Neutralität

Neutralität ist hier nicht mit Gleichgültigkeit oder Ignoranz gleichzusetzen, denn der Entwicklungsmotor wird am Laufen gehalten. Manchmal wird der Begriff “Neutralität” leider auch vorgeschoben, um sich eben per genannter Gleichgültigkeit bzw. Ignoranz aus der Eigenverantwortung (z.B. einer Stellungnahme) zu ziehen. Oder es wird zur Kritik an der Neutralität benutzt, wenn das Prinzip nicht richtig verstanden wurde, oder unbequem ist.

Leider scheint die Konditionierung in der dualen bzw. “binären” Denkweise in unserer Gesellschaft sehr stark zu sein, so dass das Prinzip der Neutralität selten angewandt oder verstanden wird. Dieser Umstand ist ein starker Hemmschuh der Entwicklung, welcher den “Anwender” immer zwischen den Polen hin und her reißt, und somit keine Perspektive einnehmen läßt, aus der sich das zur Diskussion stehende Thema möglichst unvoreingenommen überschauen läßt. Siehe auch hier:

Gleichgewichtsprinzip (Parität)
Gleichtgewicht – Fluss – Ganzheit

Differenzierungsvermögen

Selbsterfahrung

Autor: Wingman

Differenzierungsvermögen

Montag, 10. Mai 2010

Unter Differenzierungsvermögen verstehe ich die Bemühung, vom schwarz-weißen Schubladendenken bzw. starker Polarisierung wegzukommen (sowohl im Grenzbereich, als auch in der alltäglichen Wirklichkeit). Jeder interessierte Forschergeist, der den Sprung zu den nichtalltäglichen Grenzbereichen macht, kommt aus individuell verschiedenen Bereichen bzw. Ausgangssituationen dorthin. Allerdings werden durch diesen Schritt nicht automatisch kleinkarierte und vorurteilende Muster im Denken beseitigt bzw. Weisheit erlangt. Um einen ergiebigen, persönlichen Forschungs- und Erfahrungsfluss zu erlangen, ist die Verfeinerung des Denkens in Richtung Differenzierungsvermögen beim Umgang mit diesen Dingen notwendig.

Differenzierungsvermögen

Hier mal zwei in der “Szene” öfter anzutreffende Beispiele:

Esoterik / New Age:
Eine Person, offen, gefühlsbetont, aber relativ leichtgläubig und rechtshirnig polarisiert, stößt erstmals auf den Bereich der Esoterik / New Age.  Da sie in ihrem bisherigen Leben bzw. dessen angebotenen “Sinn-Inhalten” (instituationalisierte Religionen etc…) keine Befriedigung mehr sah, rückt die Esoterik stark in den Mittelpunkt dieses Aspektes. Esoterik bedeutet eigentlich “Innenschau”, was auf Selbstreflektion und Selbsterkenntnis deutet. Wenn sich der Blick nach innen vertieft (“inneres Bewußtsein”), schärft sich zugleich der Blick nach Außen (äußere Umwelt bzw. “äußeres Bewußtsein”). Gerade das setzt allerdings eine ganzheitliche Beschäftigung mit sich selbst und der umgebenden Wirklichkeit vorraus. Hinderliche Aspekte sind hier ungeprüfter Glaube und Verantwortungsabschiebung.

Da unsere Beispiel-Person allerdings noch in diesen alten Bewußtseinsmustern steckt, wird sie diese erstmal mit in ihre esoterische Beschäftigung übertragen. So wird die Innenschau mit dogmatischen Glaubenssätzen vermischt, und in ihrem Zweck verzerrt. Die Person blendet z.B. dunkle, unangenehme Aspekte ihrer Selbst aus, und konzentriert sich nur noch auf “Licht und Liebe”. Dadurch wird ihr allerdings irgendwann der dunkle, nunmehr ignorierte Aspekt (meist unbewußte, untransformierte Ängste und Unsicherheiten) in den Rücken fallen, und aus der esoterischen Suche einen Egotrip der Arroganz und Selbstbeweihräucherung machen, welcher nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Gedanken zu tun hat. Durch mangelnde Selbsterkenntnis bzw. die Verweigerung dieser (weil es oft unangenehm ist) wird die eigentliche Philosophie der Esoterik also pervertiert und in ein Dogma verwandelt. Das Resultat ist Stagnation (bei der Esoterik meist in Form von Passivität), und diese wird solange anhalten, bis die Person sich ganzheitlich der Selbsterkenntnis widmet, und nicht nur selektiv verwendet, was ihr durch die alten, mitgebrachten Muster paßt. Somit wird Esoterik zur so genannten “Fast Food”-Esoterik.

Infokrieg / Wahrheitsbewegung:
In diesem Beispiel haben wir eine Person, die logisch denkt, nur das glaubt, was sie mit im Außen mit äußeren Mitteln verifizieren kann, und insgesamt sehr linkshirnig polarisiert ist. Der Weg dieser Person hat sie nun von einem analytisch und nüchtern geprägtem Leben zur Hintergrundpolitik und alternativen Theorien (in den Massenmedien auch oft abfällig “Verschwörungstheorien” genannt) geführt. Während sie immer tiefer in das große Bild eindringt, wird sie irgendwann auch mit Aspekten konfrontiert, die sie noch nie zuvor bewußt wahrgenommen hat. Darunter findet sich dann sehr schnell Mind Control, Okkultismus, finstere Rituale und letztlich das Thema “Bewußtsein” an sich. An der Stelle tut sich für die Person, die sich noch nie mit ganzheitlichem Denken und Selbsterkenntnis beschäftigt hat, ein Problem auf: Sie entwickelt durch die im Äußeren gesammelten Informationen eine Reihe von Schubladen, in der sie die Welt in “gut” und “böse” einteilt. Was anfänglich noch ein nützlicher Wegweiser durch solche Themen ist (die manipulativen, gewissenlosen Kräfte im Hintergrund des Weltgeschehens erkennen), entwickelt sich in diesen wesentlich komplexeren Bereichen schnell zu ungeprüftem Schubladendenken.

So wird in der Szene (teilweise zurecht) vor manipulativen und unterwanderten Aspekten der Esoterik / New Age-Bewegung gewarnt, was bei unserer Beispielperson dazu führt, das sie alles, was auch nur entfernt an diese Aspekte erinnert, in die Schublade “Manipulation” steckt. Diese Schublade wandelt sich langsam zu einem Dogma, und bleibt dadurch immer mehr ungeprüft, bis die Person schließlich jede philosophische Beschäftigung mit sich selbst verweigert (aus Furcht, es würde sie vom wahren Weltgeschehen ablenken oder passiv machen).  Die Person schaut nur noch auf die scheinbaren Geschehnisse der Außenwelt, und läßt sich dadurch immer mehr definieren, weil sie sich mangels innerem Bewußtsein immer stärker von sich selbst entfremdet. Schließlich ist zu beobachten, das die Person immer mehr zu dem zu werden scheint, was sie vorgibt zu bekämpfen, weil sie ihr äußeres Bewußtsein mit diesen Dingen sättigt. Mangels innerem Bewußtsein fehlt die individuelle und bewußte Reflektion der äußeren Inputs, und die Person wird durch ihr Unterbewußtsein gesteuert. Da es unterbewußt ist, sind die Triebfedern nunmehr unreflektierte Ängste, Ungewißheiten, fehlende Erdung und daraus resultierend letztlich Irrationalität (manchmal bis hin zu krankhafter Paranoia).

Wenn sich diese Person parallel zur äußeren Informationsgewinnung mit ihrem inneren Bewußtsein (und wie dieses darauf resoniert) beschäftigt hätte, wäre die Polarisierung hin zum Schubladendenken und die völlige Steuerung durch unbewußte Aspekte warscheinlich vermieden oder stark reduziert worden. Denn man kann die Außenwelt nicht vollständig erkennen, wenn man sich nicht selbst kennt. Das kann man vereinfacht durchaus mit einer Grafikkarte vergleichen, der die richtigen Treiber fehlen, und die Grafik somit nur in groben, unvollständigen Modi darstellen kann. Das mögliche Gesamtbild geht verloren, und das Potential wird nicht genutzt (Stagnation). Konkrete Beispiele innerhalb der Infokriegbewegung sind Leute, die sich tief in Symbolik und Okkultismus hineingelesen haben, aber aufgrund mangelndem Wissen über ihr eigenes Bewußtsein ein unvollständiges Bild erhalten, und somit womöglich etwas in Dinge hineininterpretieren (oder überinterpretieren), die garnicht so sind (z.B. muß nicht jedes pyramidenförmige Grab von einem bestimmten Personenschlag sein, und nicht jeder dekorative Stern ist mit der okkulten Intention des Pentragramms produziert worden). Wenn bei solch anspruchsvollen Themen das Differenzierungsvermögen fehlt, kann dies oft in einem persönlichen “Mindfuck” enden, der mit Fakten und Realität nicht mehr viel zu tun hat. Manchmal leider auch bis zu dem Punkt, wo die Person keine Freunde und Vertraute mehr hat, weil sie förmlich der ganzen Welt mißtraut, und ein völlig verrottetes Bild der Menschen (nicht nur derer, die es offensichtlich sind) aufgebaut hat. Unterbewußt läßt sich das grob gesagt darauf zurückführen, das die Person sich selbst nicht mehr trauen kann, aber es nicht merkt. Sie ist innerlich nicht mehr gefestigt, und geht mit den äußeren Inputs nur noch irrational und völlig selektiv um.

Diese beiden Beispiele, die letztlich auf das selbe Problemmuster hinauslaufen, zeigen die Notwendigkeit von einem gesunden Differenzierungsvermögen. Und dieses kann meiner Meinung nach nur erreicht werden, wenn ganzheitlich (sowohl innen, als auch außen, ohne Polarisierung) vorgegangen wird. Hier drei Threads, die diese Thematik detaillierter beleuchten sollen:

Persönliche Entwicklungsfaktoren
Gleichgewichtsprinzip (Parität)

Gleichgewicht – Fluss – Ganzheit

Autor: Wingman