Archiv für August 2014

Wandern mit Remote Viewing

Sommerzeit, Outdoor-Zeit? Zumindest wäre es schade, sich in dieser Zeit nicht ein bisschen in der Natur aufzuhalten, denn diese hat auch in Mitteleuropa einiges zu bieten (wenn man mit offenen Augen dabei ist). Was hat das nun aber mit Remote Viewing zu tun, abgesehen davon, dass man Sessions im Freien auf Gartenmöbeln machen könnte? 😀

RV-Wandern: Landschaft

Ich betreibe seit einiger Zeit etwas, dass ich kurz „RV-Wandern“ nenne. Dabei kombinierte ich Remote Viewing mit Wanderungen, was man vielleicht wie eine Art PSI-Geocaching umschreiben könnte. Genauergesagt werden per Remote Viewing zuvor interessante Punkte in einer Gegend ermittelt, und dann auf einer Karte bzw. GPS verzeichnet. Die Spannung besteht nun darin, diese Punkte vor Ort aufzusuchen. Dabei ist, je nach Targetformulierung, eine gewisse Ungewissheit gegeben, welche diese Spannung ausmacht. Um sich das besser vorstellen zu können, hier ein paar Formulierungsbeispiele:

„Der interessanteste Punkt für Wingman am XX.XX.2014 im abgebildeten Bereich!“
„Der ungewöhnlichste Punkt (generell) im abgebildeten Bereich!“
„Der ungestörteste, schönste Punkt am XX.XX.2014 im abgebildeten Bereich!“

Das sind nur ein paar Varianten, die man ausprobieren kann. Doch wie sehr hat sich das bisher in der Praxis bewährt? Ich würde sagen, in 90% der Fälle habe ich tatsächlich etwas Interessantes bzw. Außergewöhnliches vorgefunden, was entweder für mich, oder generell ungewöhnlich bzw. unerwartet an der Stelle war. Hier unser ältestes Beispiel, was wir bereits Anfang 2012 aus einer spontanen Idee heraus geviewt haben:

Wir planten damals relativ kurzfristig eine Tageswanderung durch den Hürtgenwald (Nordeifel), weil wir in dem Zeitraum sowieso dort in der Nähe sein würden. Bis dato kannten wir die dortige Umgebung nicht, was zusätzlich eine gute Vorraussetzung für unser Experiment war. In dem RV-Mapping diente als Vorlage der Teil des Waldes, in dem wir wandern wollten. Ziel war es, die ungewöhnlichsten bzw. auffälligsten Punkte in der Gegend herauszufinden. Der Viewer markierte daraufhin drei Punkte nacheinander, wobei die ersten beiden sich am deutlichsten anfühlten. Wir übertrugen diese Punkte nun auf Google Earth und dann auf eine Karte zum ausdrucken, welche wir mitnahmen. Ansonsten hatten wir nur einen Kompass dabei (inzwischen benutze ich ein GPS-Gerät).

Die drei markierten RV-Punkte, hier im Programm Garmin Basecamp (welches ich erst neuerdings mt meinem GPS benutze), auf einer OpenStreetMap-Freizeitkarte.

Die drei markierten RV-Punkte, hier im Programm Garmin Basecamp (welches ich erst seit kurzem mit meinem GPS-Gerät benutze), auf einer OpenStreetMap-Freizeitkarte (klicken zum vergrößern!).


Nachdem wir einen Weg in den Wald gefunden hatten, kamen wir nach einigen Kilometern in die Nähe des ersten RV-Punktes auf der Karte. Wir brauchten garnicht lange suchen, den plötzlich tauchte vor uns, von relativ undurchsichtigem Wald umgeben, ein kleiner Soldatenfriedhof auf. Das könnte durchaus als interessanter und auch unerwarteter Punkt mitten im Wald durchgehen, wenn man die Gegend nicht kennt. Die Kilometer zuvor gab es hingegen nichts Ungewöhnliches zu sehen, außer ein paar Jägersitzen.

Der Soldatenfriedhof, welcher sich mit dem ersten RV-Punkt deckte.

Der Soldatenfriedhof, welcher sich mit dem ersten RV-Punkt auf unserer Karte deckte.

RV-Wandern: Hürtgenwald - Mapping (Soldatenfriedhof)

Auf der OSM-Karte ist die Nähe des damaligen RV-Punktes zum Soldatenfriedhof gut zu erkennen. Beim ursprünglichen Mapping benutzten wir Google Earth, wo lediglich Bäume zu sehen waren, und auch sonst keine Hinweise (nur Satellitenbilder ohne Straßen-Overlays oder Points of Interests).


Geplant war natürlich, die beiden anderen RV-Punkte auch noch abzuwandern. Allerdings kam uns zuvor eine „leichte“ Fehlnavigation dazwischen, und als wir den ersten RV-Punkt fanden, tauchte die Umgebung bereits ins Abendrot ein, was das Licht im Wald allmählich schummrig werden ließ. So traten wir den Heimweg an, und erreichten unseren Abfahrtbahnhof kurz nach Sonnenuntergang.

Zeit für den Heimweg...

Zeit für den Heimweg…


Wir begannen diese Wanderung sowieso erst Mittags, was bei der Größe dieses Waldgebietes vielleicht etwas spät war. Aber das haben relativ spontane Aktionen in unbekannten Gegenden ja oft so an sich. 😉

Was ist nun aber aus den anderen beiden RV-Punkten geworden? Diese blieben natürlich gespeichert, um später noch abgeklappert zu werden. Aus diesem „Später“ wurden allerdings zwei Jahre. Inzwischen verfügte ich über ein GPS-Gerät, und beschloss, das Rätsel der letzten beiden Punkte auch noch zu lösen. Der zweite RV-Punkt von damals lag tief im Wald, mehrere Kilometer von den Rändern entfernt. Zuerst fand ich dort nur eine Menge Unterholz und ein paar kleine Wiesenflächen vor. Aber dann entdeckte ich dies:

Eine Entdeckung im Unterholz nahe des Wanderweges.

Eine interessante Entdeckung im Unterholz nahe des Wanderweges.


Es handelte sich um die Ruine eines alten Klosters, welches dort ca. im 14. Jahrhundert erbaut worden sein soll. Ich erinnerte mich, schonmal ein Foto von dem Torbogen auf Google Earth gesehen zu haben. Jedoch dachte ich erst, dass dieser Torbogen der einzige Überrest wäre. Zudem stand dieser nicht direkt auf dem RV-Punkt, sondern ein bisschen daneben (was aber bei der Grobheit des Mappings von 2012 immer noch sehr signifikant wäre, wenn auch nicht so signifikant, wie der Friedhof zuvor).

Eines der Klosterruinen-Tore im Detail.

Das vorgefundene Klosterruinen-Tor im Detail.


Als ich dort jedoch noch etwas weiter umherstreifte, bemerkte ich, dass sich noch mehr Ruinen dort befanden, darunter weitere Torbögen und eine sehr große Grundmauer, welche das Gelände weitläufig und größtenteils zugewachsen umspannte.

Die weitläufigen Grundmauern des Geländes der Klosterruine.

Die weitläufigen Grundmauern des Geländes der Klosterruine.


Da in der Umgebung des RV-Punktes sonst nichts Außergewöhnliches zu finden war, denke ich, dass die Klosterruine diesen Punkt darstellte. Jetzt fehlte also noch der dritte und letzte Punkt, den wir 2012 gemappt hatten. Auf einer 42km Wanderung in mörderischer Hitze (bis zu 39°C) führte mich meine Route in der Nähe des dritten Punktes vorbei, und ich machte einen Umweg von ca. 2km, um die Sache endlich abzuschließen. Es war ja inzwischen Juli 2014, und das Mapping erfolgte (wie gesagt) bereits Anfang 2012.

Um den dritten RV-Punkt zu erreichen, musste ich ein Stückchen querfeldein gehen. Trotz ausgedehntem umherstreifen in dem Bereich (mehrere hundert Meter Radius), konnte ich nichts wirklich Außergewöhnliches finden. Es gab einen Waldgraben, eine Wildschweinsuhle (inkl. Spuren), um die strategisch drei Jägersitze positioniert waren (irgendwie hinterhältig), und eine abgezäunte Anpflanzung junger Bäume. Ob das aber wirklich einen RV-Punkt wert war? Solche Dinge dürfte man dort im Wald vielfach vorfinden.

Für T(r)ekkies: Effiziente und bequeme RV Punkt-Suche per GPS-Gerät.

Waldgraben und Jägersitze. Nicht ungewöhnlich in solchen Wäldern...

Waldgraben und Jägersitz. Jedoch nicht ungewöhnlich in solchen Wäldern.

Schlammloch, dass den Spuren nach als Suhle von Wildschweinen genutzt wird. Vielleicht war es 2012 mal was anderes? Wer weiß...

Schlammloch, welches den Spuren nach von Wildschweinen genutzt wird. Ist das der dritte RV-Punkt von 2012? Ich denke eher nicht. Was mag den Viewer dort in der Umgebung wohl angezogen haben?


Vielleicht gab es ja noch 2012 dort irgendwas Interessantes, oder ich konnte es 2014 nicht finden. Aber trotz des Sommerbewuchses habe ich eigentlich alles im Umkreis von 100-200m um den RV-Punkt abgeklappert. Vielleicht ist dort auch was vergraben, aber wir können nicht sicher sein, weil ich den Viewer damals keine Ortsbeschreibung machen ließ. Jedenfalls wissen wir nicht, was ihn damals dort angezogen haben könnte (außer er wollte sich im Schlamm suhlen 😀 ).

Das war also unser erster Versuch zum Thema „RV-Wandern“. Zwischenzeitlich habe ich noch andere Dinge in der Hinsicht erfolgreich durchgeführt. Darunter zwei RV-Wanderungen auf den „nächsten ungewöhnlichen Punkt für mich am XX.XX.201X“, bei denen ich auf ein Techno-Konzert mitten im Wald stieß (nicht ganz meine Musikrichtung, aber ungewöhnlich auf alle Fälle), und auf ein mysteriöses Privatgelände im Wald, dass nur direkt von der Autobahn aus anfahrbar ist, und welches ich folglich nicht betreten konnte. Natürlich werde ich mich darüber nicht genauer äußern. 😉

Weiterhin bemerkenswert war eine intuitive Suche nach dem ruhigsten, ungestörtesten Punkt in einem bestimmten Wald (den ich natürlich auch nicht bekanntgeben werde *g*). Dies lief jedoch nicht nach blindem RV-Protokoll ab, sondern war eine Improvisation vor Ort. Ob man das noch unter RV verbucht, oder Hellsehen mit Frontloading (was natürlich erheblich AUL-anfälliger ist), möge jeder für sich selbst definieren.

Jedenfalls fand ich tatsächlich die wohl ungestörteste Stelle des ganzen Waldes dort. Ich baute sogar etwas auf, und kehrte erst drei Monate später zurück, um zu sehen, ob jemand vorbeikam, und was damit gemacht hat. Allerdings stand alles noch, wie zuvor. Ein schönes, kleines Refugium zwischen jungen Birken, die einem bei schlechtem Wetter auch nicht gleich erschlagen…

Ein kleines, ungestörtes Refugium. Es wird nicht das Letzte bleiben...

Ein kleines, ungestörtes Refugium inmitten der Natur. Weitere werden sicherlich folgen…


Wie geht es nun weiter? Mehrere neue RV-Punkte sind bereits gemappt (darunter z.B. „Die schönste, ungestörteste Wasserstelle“, aber auch wieder interessante Überraschungspunkte), und warten nur noch auf eine zeitliche Gelegenheit, begangen zu werden. Ich bin schon auf die Trefferquote gespannt, vor allem aber natürlich darauf, was ich dort vorfinden werde. Die denkbaren Möglichkeiten für solche Anwendungen sind vielfältig.

Was ich bisher allgemein sagen kann: Es ist eine sehr gute Trainingsergänzung zum RV im Bereich des Mappings, die viel Spaß und Spannung erzeugt. Ähnlich dem Geocaching, nur noch etwas „exotischer“ (zumindest in unseren Zeiten)… 😉

 

Update – September 2014 (Wassersuche):

Inzwischen habe ich meine Naturwanderungen mit weiteren RV-Experimenten in der Hinsicht verbunden. Da ich eine Vorliebe für idyllische Wasserstellen habe, und auch ein wenig an Rutengänger („dowsing“) denken musste, zielten die aktuellen Targets auf „Die schönsten, ungestörtesten Wasserstellen“ ab. Sprich, sie sollten nicht gleich an großen Wanderwegen oder Freiflächen liegen, sondern einen gewissen Refugiumscharakter haben.

Das Mapping fand wieder auf einer Open Source-Karte statt, die bezüglich Naturgewässern in einigen Gegenden noch ziemlich unvollständig ist, und meist nur größere Bäche oder Teiche enthält. Um es gleich vorweg zu nehmen: Von acht Targets enthielten sieben (sichtbare) Gewässer im Umkreis von maximal 50 Metern. Diese lagen stets querfeldein, und relativ weit von Wegen entfernt (bis zu ~400m). Wenn doch Wege in der Nähe waren, gab es einen gewissen Sichtschutz durch dichtes Unterholz.

Was war nun genau vorzufinden? Teilweise entsprachen die Stellen meinen Vorstellungen so stark, das ich echt staunen musste. Der Rest war kleiner, aber in seiner Beschaffenheit ähnlich: Man stelle sich einfach vor, man hat die Vision eines schönen Sees vor Augen, findet dann aber nur einen kleinen Tümpel, der jedoch (abgesehen von der Größe) erstaunlich ähnlich aussieht, wie das, was man sich beim Tasking vorstellte.

Darin bestätigte sich etwas, das man im Remote Viewing schon von anderen Mapping-Anwendungen kennt: Die „Matrix“ führt einen meistens zu dem nächst-ähnlichen Punkt, wenn es dort nichts gibt, was genau den gesuchten Kriterien entspricht (statt z.B. einfach garnichts auszuwerfen, was nur sehr selten vorzukommen scheint). Dies ist eine wichtige Erkenntnis, die nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich zu gelten scheint, und unbedingt bei Zukunftsschauen beachtet werden sollte.

Wenn man z.B. auf einer Timeline nach der „nächsten globalen Katastrophe“ sucht, wird man auch so etwas in der Art finden, selbst wenn sie in dem geviewten Zeitraum nicht eintritt. Dann lokalisiert und beschreibt man stattdessen ein lokales Ereignis, projiziert dieses jedoch auf globale Ebene. Oder man viewt gar eine selbstgeschaffene Wahrscheinlichkeit, die jedoch nur als metaphysisches Equivalent existiert, aber nicht als physisch eintretendes Ereignis (Gedanken formen auf gewissen Ebenen die Realität unmittelbar). Somit hat man sich sein Target durch unpräzises oder suggestives Tasking „kontaminiert“.

Darin sehe ich zumindest eine Erklärung, warum z.B. die zahlreichen „Killshot“-Vorhersagen eines Ed „Dr. Doom“ Dames wiederholt nicht eintreffen, oder zumindest nicht in globaler Form. Allerdings müsste ich das exakte Tasking sehen, um es genauer beurteilen zu können, aber leider habe ich dazu noch nie Rohmaterial gefunden. Bei Sessions auf die Zukunft sollte man daher immer die „Ort zu einer Zeit“-Methodik nehmen, also ganz neutral einen Ort zu einer bestimmten Zeit beschreiben (z.B. „Das Tine-Denkmal in Husum am 01.01.2030“). Aber das nur als Randnotiz zum eigentlichen Thema dieses Artikels…

Kommen wir nun zu einigen Beispielen von meinen wässrigen Mapping-Funden in der Natur:

Der erste, gefundene Punkt. Bei Sommerhitze auch als spontane, ungestörte Abkühlung tief im Unterholz geeignet. ;-)

Der erste, gefundene Punkt: Ein schöner, ungestörter Platz zum Verweilen.

Oben links: Die schönste und tiefste Stelle des Baches. Unten mittig: Der lokalisierte RV-Punkt. Die OSM-Karte zeigt dort nichtmal einen Bach.

 

Inmitten einer Unterholzfläche fand sich exakt auf dem RV-Punkt die Quelle eines Baches.

Inmitten einer großen, trockenen Unterholzfläche fand sich exakt auf dem RV-Punkt die Quelle eines Baches.

Weitere Ansicht der Quelle, mit der großen, abgeforsteten Fläche drumherum.

Weitere Ansicht der Quelle, mit der großen, abgeforsteten Fläche drumherum.

Der RV-Punkt (bereits mit feuchtem Boden) und die tiefste Stelle der Quelle lagen sehr nah beieinander.

 

Der schwächste RV-Treffer, aber zumindest ein Bächlein mitten im Unterholz. Auch dort drumherum nur trockener Waldboden im Umkreis von 200-300m.

Der schwächste RV-Treffer, aber zumindest ein gut verstecktes Bächlein mitten im Unterholz. Auch dort nur trockener Waldboden im Umkreis von 200-300m.

 

Ebenfalls ein erstaunlicher Volltreffer: Ungewöhnlich tiefe Bachstelle (~2,5m) im ansonsten knöcheltiefen und offenen Bachlauf.

Eine außergewöhnlich tiefe Bachstelle (~2,5m) im ansonsten nur knöcheltiefen Bach.

Überspannt wird die Stelle von einem Baumstammbogen (offenbar Biberwerk).

Überspannt wird die Stelle von einem Baumstammbogen (offenbar Biberwerk).

Außergewöhnlich tiefe Bachstelle nahe dem RV-Punkt.

Die außergewöhnlich tiefe Bachstelle nahe dem RV-Punkt.

 

Fazit aus diesen Treffern in der tiefen Natur: Das RV-Mapping ist ein sehr nützliches Tool, was bei entsprechender Routine auch mal spontan eingesetzt werden kann. Aber man sollte die Eigenarten und Tücken (automatische Lokalisierung des nächstahnlichsten Zieles, manchmal mangelnde Präzision etc…) ebenfalls kennenlernen und berücksichtigen. Sauberes Tasking ist auch hier, wie bei allen RV-Anwendungen, äußerst wichtig.