ich grüße alle Mitglieder und Neulinge im Thetawaves Forum. Für viele, die mich noch nicht kennen und evtl. welche, die mich vergessen haben
Etwas zu meinem Hintergrund: Ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern jedoch stammen aus Afghanistan. Mit dieser Information wird es euch hoffentlich leichter fallen, den folgenden Text besser zu verstehen.
So zuerst möchte ich gerne ausführen, weshalb ich so lange abwesend war.
Angefangen hat alles vor mittlerweile 3 Jahren (war zwar noch 17, bin in dem Jahr aber noch 18 geworden). Ich befand mich im ersten Jahr der Fachoberschule in der Praktikumsphase und war schon seit einer gewissen Zeit sehr unruhig. Seit Monaten hatte ich unerträgliche Kopfschmerzen, die ich nicht verstand. Ich wusste einfach nicht, woher sie kamen und sie bauten sich immer weiter auf und nahmen mir meine Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Das Lernen fiel mir immer schwerer, bis es schließlich gar nicht mehr ging. Besuche beim Arzt, anschließend beim Neurologen und dann sogar bei der Kernspintomografie führten alle zu einer Schlussfolgerung: Mein Kopf und mein Gehirn waren in Ordnung und auch die Hirnaktivität wies keine Störungen auf. Also musste Stress der Auslöser sein.
Ich war absolut konfus. Stress? Ja sicher hatte ich zu dem Zeitpunkt Stress. Ich besuchte die Fachoberschule, was durch den Wechsel zwischen Praktikum und Unterricht kein Zuckerschlecken war, dadurch meine ganze Freizeit beansprucht wurde und ich den Sport aufgeben musste. Aber so stressig, dass ich davon Kopfschmerzen bekam? Nein, das konnte nicht sein. Irgendetwas anderes muss der Auslöser sein. Vielleicht hätte jemand anderes an meiner Stelle sofort geschnallt, was Sache ist, aber ich bin schon seit Ewigkeiten für meine lange Leitung bekannt.
Ich fing an, den Umstand zu hassen, zu Hause eingesperrt zu sein, außer wenn ich in der Schule war, oder arbeiten ging. Ich hatte nie die gleiche Freiheit, die für meine Schulkameraden oder Freundinnen so selbstverständlich waren, wie die Luft zum Atmen. Einen Freund haben, ins Schwimmbad gehen, im Sommer etwas freizügiger angezogen sein, und dann, als ich älter war, Partys, Diskos etc. Eben all die Dinge, die man als Teenager und junger heranwachsender Mensch machten will/sollte waren mir verwehrt. Und das fing buchstäblich an, mir Kopfschmerzen zu bereiten. Gleichzeitig durfte ich zusehen, wie meine Brüder die "westliche" Freiheit auslebten und mir dies unter die Nase rieben, besonders mein älterer Bruder, der mich schon immer gehasst und fertig gemacht hat, wenn er die Gelegenheit dazu hatte. Das Schlimmste für mich war, als ich erkannte, dass ich, wenn ich nichts unternahm, mir mein ganzes Leben von meinen Eltern diktiert werden würde, und ich nie die Chance haben würde, es so zu gestalten, dass sich meine Ziele erfüllen. In der Schule wurde ich immer schlechter. Inzwischen war ich in der 12. Klasse und meine Leistungsfähigkeit war auf dem Nullpunkt. Ich konnte mich einfach nicht zum Lernen zwingen. Es ging sogar so weit, dass sich meine Hand derart verkrampfte, dass ich keinen Stift mehr halten konnte! Als ich durch Diskussionen mit meinen Eltern versuchte, mehr Freiheiten für mich zu erarbeiten, biss ich lediglich auf Granit. Meine Eltern, besonders mein Vater, gaben zwar zu, dass ich und meine Schwester mehr Verantwortung tragen, war aber nicht bereit, uns auch nur ansatzweise etwas zuzugestehen. Aufgrund unserer Verantwortung als Aushängeschild der Familie, müssten wir von Außen "geschützt" werden. Da ich der Meinung bin, dass wenn man jemandem Verantwortung übergibt, demjenigen dafür im Gegenzug das gleiche Maß an Freiheit zu gewähren hat, empfand ich dies lediglich als Unterdrückung! Ich wurde zunehmend verzweifelter und wütender. Zudem begann sich langsam der Hass gegenüber meinen Eltern in mir aufzustauen. Um der Ehre willen, sollten wir uns dem "Schutz" ergeben, damit uns ja niemand schändete!! Dabei ging es lediglich um den egoistischen Wunsch meines Vaters, sein Gesicht zu wahren, indem die Familie etc. nichts schlechtes von ihm dachte! Zusätzlich zu meiner Wut, der Verzweiflung, gesellte sich Verachtung über die Haltung meines Vaters.
Ich fühlte mich hilflos ausgeliefert und wendete mich schließlich ans Jugendamt. Dort sprudelte alles aus mir heraus: Mein Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit, die Probleme in der Schule (nicht nur meine Leistungsfähigkeit), Die Verbohrtheit meiner Eltern, besonders die meines Vaters. Die Antwort des Pädagogen lautete klar: Sie müssen unter diesen Umständen von zu Hause weg, sonst krepieren Sie psychisch! (ja er hat mich gesiezt)
Ein Abgrund tat sich vor mir auf, als ich diese Antwort hörte. Ich alleine leben ohne meine Familie? Ich war zur Abhängigkeit erzogen worden! Gleichzeitig wurde mir von klein auf beigebracht, dass ich als Frau weniger Wert war, als der Dreck unter den Schuhsohlen eines Mannes. Mein einziger Wert bestand in der einer Geburtsmaschine. Dennoch war mir meine Familie trotz allem gleichzeitig sehr wichtig.
Schließlich jedoch entschied ich mich trotz allem für diesen gewagten und gleichzeitig sehr riskanten Schritt. Mir war absolut klar, dass ich mit dieser Entscheidung einen Konflikt von enormer Tragweite heraufbeschwor und auch, dass ich damit überfordert war. Ich wusste einfach nicht, wie ich mir meinen Weg in die Freiheit ebnen sollte. Da traf ich auf ein Zitat von Herman Hesse in einem Buch: Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen. Dieses Zitat traf meine Situation, wie die Faust aufs Auge! Es war möglich für mich ein Leben in Freiheit und Unabhängigkeit zu führen, aber der Weg dorthin schien absolut unmöglich. Ich glaube nicht, dass ich diese Situation gemeistert hätte, wenn ich nicht die pädagogische Unterstützung bekommen hätte. Außerdem begann ich da auch mich mit dem Themen, wie AKE, Luzid-Träumen usw. zu beschäftigen. Vor allem zum Schamanismus entwickelte sich nach und nach ein starker Draht.
Mit der Zeit verwandelte sich das Gefühl der Hoffnungslosigkeit in eine Art verzweifelte Entschlossenheit. Ich hatte keine Ahnung, wie das Ganze ausgehen sollte, wollte aber zur selben Zeit Nägel mit Köpfen machen.
Schließlich teilte ich meinen Eltern im Beisein von zwei Pädagogen und meiner Psychologischen Beraterin meine Entscheidung von zu Hause auszuziehen mit. Bis heute kann ich mir nicht erklären, wie ich das alles emotional durchstehen konnte, was daraufhin passiert ist. Mein Vater drohte damit sich umzubringen, wenn ich wegginge. Mein kleiner Bruder weinte. Meine Mutter warf mir vor, die Familie im Stich zu lassen und gleichzeitig musste ich mir von ihr und meinem Bruder anhören, gar nicht fähig dazu zu sein, ein selbstständiges Leben zu führen. Man zwang mich, zuzugeben, dass ich dumm und undankbar war, und einen großen Fehler gemacht hätte. Anschließend forderte mich mein Vater dazu auf, mich von ihm umbringen zu lassen, wenn ich etwas unverzeihliches getan hätte, um die sogenannte Familienehre wieder herzustellen!!! Er verhielt sich selbstherrlich, herablassend, und hochnäsig mir gegenüber. Ich war richtig angewidert von ihm!
Da ich zuerst nicht weiter wusste, ergab ich mich; offiziell. Heimlich dachte ich mir jedoch: Okay, ich wollte mit euch reden und versuchen zu erklären, wieso ich rauswill. Euch jedoch fällt nur ein, mich zu demütigen und emotional zu erpressen. Dafür lasse ich Taten folgen!
Mein seelisches Gleichgewicht stand auf dem Spiel! Entweder ging ich jetzt, oder ich wurde zur lebendigen Leiche!
Also plante ich meinen Abgang. Eine Freundin stand mir bei und bot mir an, bei ihr zu wohnen, bis ich offiziell ins Wohnheim einziehen konnte. Ca. eine Woche lang schmuggelte ich Sachen, wie Kleidung, Hygieneprodukte, persönlch wichtige Gegenstände etc. zu meiner Freundin, bis dann am siebten Tag endgülitg alles geregelt war, so dass ich gehen konnte. Im Alter von 19 Jahren gegen Ende August schrieb ich einen kurzen Abschiedsbrief und verließ meine elterliche Wohnung und beschritt meinen Weg in die Freiheit. Aber da meine Schwester mich ewig lang wachhielt, verschlief ich um eine Stunde! Dennoch lief alles glatt. Aber meine Nerven lagen blank. Den ganzen Weg zu meiner Freundin hatte ich Angst, dass meine Lüge (ich erzählte, dass ich vormittags arbeiten müsste) auffliegen würde und sie die Verfolgung aufnehmen würden. Bei meiner Freundin angekommen, rief ich erst mal zwei Freunde an um ihnen den Stand der Dinge mitzuteilen. Ich wollte mich hinlegen, aber die ganze Zeit über hinderte mich die Anspannung daran. Irgendwann würden meine Eltern schnallen, dass etwas nicht stimmt und mich anrufen. Als der Anruf kam, ging das ganze Debakel los; Ich zögerte zuerst, als meine Mutter mich fragte, wann ich denn nach Hause käme. Schließlich sagte ich deutlich: Mama ich werde nicht mehr nach Hause kommen. Zuerst kam gar nichts, dann: Willst du die Familie nie wiedersehen und im Stich lassen?" Dann spüre ich, wie sich jemand das Telefon nimmt; mein Vater: Schatz was soll der Brief? Wo bleibst du? Ich wiederholte meine Antwort von vorhin. Seine Reaktion darauf, hat sich mir ins Gehirn eingebrannt. Nie werde ich diesen Satz vergessen: Wenn du das wirklich durchziehst, dann schau, dass du in einer anderen Stadt unterkommst, denn wenn ich dich auf der Straße sehe, weiß ich nicht, ob ich dich am Leben lasse! Ich war fassungslos! Obwohl man von solchen Drohungen der Eltern an die Kinder in den Nachrichten hört, kann man es sich bei einem selbst einfach nicht vorstellen!
Daraufhin folgte ein längeres hitziges Gespräch.
Schlussendlich kam es schließlich, dass ich von Nürnberg nach Bayreuth umziehen musste. Aber damit war das ganze natürlich nicht zu Ende. Phase zwei fing an. Neue Schwierigkeiten, Widerstände, Konflikte, aber auch Erkenntnisse bahnten sich an. Ich wiederholte die 12. Klasse und scheiterte ein zweites Mal. Dabei lief es am Anfang ziemlich gut, an meinem Lerneifer lag es jedenfalls nicht. Aber wieder verschlechterten sich meine Noten nach und nach. Ich steckte wahrscheinlich einfach noch zu tief in der Geschichte drin.
Schließlich kam ich gegen Mitte des zweiten Halbjahres an den Punkt: SCHEIS DRAUF! Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe mein bestes gegeben, dann sollte es eben nicht sein. Also Schwamm drüber (mehr oder weniger, natürlich lies es mich nicht komplett kalt.
Inzwischen bin ich 21 und wohne in einer eigenen Wohnung in Bayreuth und mache eine Ausbildung, die mir sehr gut gefällt. Es geht vorwärts. Ich habe inzwischen auch wieder Kontakt zu meiner Familie, allerdings sehr sehr distanziert. Mir ist dennoch bewusst, dass ich, obwohl meine Familie sich inzwischen beruhigt hat, sich nie etwas grundlegendes in der Kultur, in der sie verankert sind, ändern wird. Auch werden sie sich nicht verändern oder gar weiterentwickeln. Damit muss ich leben, sonst hör ich auf zu leben!
So, das war jetzt ganz schön viel Text!
Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr euch die Zeit für diesen Eintrag nehmen würdet.
Herzliche Grüße an alle!



